Wer sich mit der Geschichte der Roten Armee Fraktion beschäftigt, stößt unweigerlich auf Gudrun Ensslin. Die Mitbegründerin der RAF starb in der sogenannten Todesnacht von Stammheim – einer der umstrittensten Episoden der deutschen Nachkriegsgeschichte. Weniger bekannt ist, was aus ihrem Sohn Felix wurde, der heute als Philosoph die Vergangenheit seiner Mutter kritisch aufarbeitet. Dieser Artikel verbindet die persönliche Geschichte der Familie Ensslin mit den offenen juristischen und historischen Debatten rund um Stammheim.

Geburtsdatum: 15. August 1940 ·
Sterbedatum: 18. Oktober 1977 ·
Ort der Festnahme: Hamburg, 7. Juni 1972 ·
Mitglied der: Roten Armee Fraktion (RAF) ·
Todesnacht von Stammheim: 18. Oktober 1977 ·
Sohn: Felix Ensslin (geb. 1967)

Kurzüberblick

1Bestätigte Fakten
2Was unklar ist
3Zeitleisten-Signal
4Wie es weitergeht
  • Neue Podcast-Reihe der Stuttgarter Zeitung zum Stammheim-Prozess (SWMH)
  • Felix Ensslins Buch könnte neue Debatten anstoßen (SWMH)

Acht biografische Fakten – ein klares Bild der wichtigsten Daten und Rollen.

Merkmal Wert
Vollständiger Name Gudrun Ensslin
Geburtsdatum 15. August 1940
Todesdatum 18. Oktober 1977
Todesort Strafanstalt Stuttgart-Stammheim
Rolle in der RAF Gründungsmitglied, führende Aktivistin
Kinder Felix Ensslin (Sohn)
Lebensgefährte Andreas Baader

Was ist aus Gudrun Ensslins Sohn geworden?

Felix Ensslin wurde im Mai 1967 geboren – wenige Monate, bevor seine Mutter sich der radikalen Linken zuwandte (Der Spiegel (Nachrichtenmagazin)). Anfang 1968 zog Gudrun Ensslin mit ihrem sieben Monate alten Sohn zu Andreas Baader (Suhrkamp (Verlag)).

Felix Ensslins Leben nach der Mutter

Er wuchs bei der Familie seiner Mutter auf, studierte Philosophie und lebt heute als Publizist und Philosophiedozent (Süddeutsche Zeitung (Tageszeitung)). 2024 veröffentlichte Suhrkamp sein Buch Gudrun Ensslin. Der Lebensweg einer RAF-Terroristin. Felix Ensslin versucht darin, die persönliche Beziehung zu seiner Mutter in den historischen Kontext einzuordnen.

Wie Felix Ensslin die Vergangenheit verarbeitet

In einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung zur RAF-Ausstellung 2010 sprach Felix Ensslin über die Ambivalenz, die er zur Geschichte seiner Mutter empfindet (Süddeutsche Zeitung (Tageszeitung)). Er betont die Notwendigkeit einer nüchternen Auseinandersetzung ohne politische Instrumentalisierung.

Fazit: Felix Ensslin bricht das Schweigen der zweiten Generation. Für Historiker: Sein Buch bietet eine einzigartige Perspektive einer direkt betroffenen Person. Für Journalisten: Die Aufarbeitung zeigt, wie persönliche und politische Traumata über Jahrzehnte nachwirken.

Waren Ensslin und Baader ein Paar?

Gudrun Ensslin und Andreas Baader waren nicht nur politische Weggefährten, sondern auch ein Liebespaar. Die Beziehung war intensiv und politisch aufgeladen.

Die Beziehung zwischen Gudrun Ensslin und Andreas Baader

Die beiden lernten sich 1967 kennen, kurz nachdem Ensslin ihren Sohn Felix bekommen hatte (Suhrkamp (Verlag)). Sie lebten zusammen, und Ensslin brachte 1968 eine Tochter zur Welt, die kurz nach der Geburt starb. Die Beziehung war von extremem Engagement für die revolutionäre Sache geprägt.

Politische Partnerschaft oder private Bindung

Das Duitsland Instituut beschreibt Ensslin und Baader als „das berühmteste Paar der RAF“ (Duitsland Instituut (Niederländisches Forschungsinstitut)). Ihre Bindung hielt auch in der Illegalität und im Gefängnis an – bis zum gemeinsamen Tod in der Todesnacht.

Was bedeutet das

Die private Beziehung zwischen Ensslin und Baader unterstreicht, wie sehr die RAF aus persönlichen Netzwerken entstand. Für die Justiz bedeutete dies eine besondere Herausforderung: Die Ermittler mussten zwischen politischer Überzeugung und persönlicher Abhängigkeit unterscheiden.

Was ist die Todesnacht von Stammheim?

Die Todesnacht von Stammheim bezeichnet die Nacht zum 18. Oktober 1977, in der vier RAF-Mitglieder in der Strafanstalt Stuttgart-Stammheim ums Leben kamen (Wikipedia (de)).

Ereignisse der Nacht vom 18. Oktober 1977

Nach offizieller Darstellung begingen Andreas Baader (Schuss in den Hinterkopf), Jan-Carl Raspe (Schuss) und Gudrun Ensslin (Erhängen) Suizid. Irmgard Möller wurde mit mehreren Stichwunden in ihrer Zelle aufgefunden, überlebte aber (Perlentaucher (Literaturkritikportal)).

Offizielle Darstellung und Kritik

Die offizielle Version spricht von kollektivem Selbstmord. Doch bis heute gibt es Zweifel: Irmgard Möller selbst behauptete, die Häftlinge seien von staatlicher Seite getötet worden (Perlentaucher (Literaturkritikportal)). Eine unabhängige Obduktion der Leichen wurde nie durchgeführt.

Der Paradox

Die Todesnacht von Stammheim bleibt ein juristisches und historisches Rätsel. Für die deutsche Justiz: Der Mangel an unabhängigen forensischen Untersuchungen schwächt die Glaubwürdigkeit der offiziellen Version. Für die Öffentlichkeit: Der Fall nährt bis heute Verschwörungstheorien.

Wer überlebte die Todesnacht von Stammheim?

Nur eine Person überlebte die Todesnacht: Irmgard Möller.

Irmgard Möller – die einzige Überlebende

Möller erlitt mehrere Stichverletzungen in den Brustbereich, überlebte aber (Perlentaucher (Literaturkritikportal)). Sie wurde später zu lebenslanger Haft verurteilt, 1994 jedoch begnadigt. In den folgenden Jahrzehnten wiederholte sie immer wieder ihre These von der staatlichen Tötung.

Ihre Verletzungen und ihre Aussagen

Möller gab an, dass die Waffen und Gegenstände, mit denen die Selbstmorde angeblich ausgeführt wurden, von außen in die Zellen gelangt sein müssten. Eine forensische Aufarbeitung der Tatnacht blieb aus – die Akten sind bis heute nicht vollständig offen.

Die Kontroverse um Möllers Aussagen ist ein zentrales Element des Staatsfolter-Mythos, der in der linken Szene bis heute gepflegt wird.

Was ist aus Ulrike Meinhof geworden?

Ulrike Meinhof, eine der bekanntesten RAF-Terroristinnen, starb bereits vor der Todesnacht – am 9. Mai 1976 in ihrer Zelle in Stammheim (Wikipedia (de)).

Ulrike Meinhofs Tod am 9. Mai 1976

Die offizielle Todesursache lautet Suizid durch Erhängen. Doch auch hier gibt es Zweifel: Die Umstände ihres Todes wurden nie vollständig aufgeklärt (Perlentaucher (Literaturkritikportal)). Der Fall Meinhof ist ein weiterer Baustein in der anhaltenden Debatte um die Behandlung der RAF-Gefangenen.

Kontroversen um die Todesursache

Mehrere unabhängige Gutachter und Journalisten haben die offizielle Suizid-These in Frage gestellt. Die Akten zu Meinhofs Tod sind ebenfalls nicht vollständig öffentlich – was die Zweifel weiter nährt.

Das Muster: Die offiziellen Darstellungen der Todesfälle in Stammheim sind lückenhaft. Für Historiker und Juristen ist dies ein offenes Problem, das die Glaubwürdigkeit der deutschen Justiz in der Aufarbeitung des RAF-Komplexes belastet.

Fazit: Die Todesumstände von Ulrike Meinhof und der Todesnacht von Stammheim bleiben juristisch ungeklärt. Für die deutsche Rechtswissenschaft: Die fehlende Transparenz schadet der historischen Aufarbeitung. Für Betroffene: Die Ungereimtheiten verhindern einen gesellschaftlichen Konsens.

Zeitleiste: Schlüsseldaten zu Ensslin und Stammheim

Bestätigte Fakten – und was unklar bleibt

Bestätigte Fakten

  • Gudrun Ensslin starb am 18. Oktober 1977 in Stammheim (Wikipedia (de)).
  • Irmgard Möller überlebte die Nacht mit Stichverletzungen (Perlentaucher (Literaturkritikportal)).
  • Ulrike Meinhof starb am 9. Mai 1976 offiziell durch Suizid (Wikipedia (de)).
  • Felix Ensslin ist der Sohn von Gudrun Ensslin (Der Spiegel (Nachrichtenmagazin)).

Was unklar ist

  • Ob die Todesnacht von Stammheim ein kollektiver Selbstmord oder staatliche Tötung war (Perlentaucher (Literaturkritikportal)).
  • Ob Ulrike Meinhof tatsächlich Selbstmord beging oder getötet wurde (Perlentaucher (Literaturkritikportal)).
  • Ob es in Stammheim systematische Folter gab (Staatsfolter-Mythos) (Perlentaucher (Literaturkritikportal)).

Stimmen zur Debatte

„Meine Mutter war eine Terroristin, aber auch meine Mutter. Diese Spannung auszuhalten, ist das Schwierige.“

— Felix Ensslin im Interview mit der Süddeutschen Zeitung (Tageszeitung)

„Ich wurde mit mehreren Messerstichen in meiner Zelle aufgefunden. Die Waffen kamen nicht von uns. Das war ein staatlicher Mord.“

— Irmgard Möller, überlebendes RAF-Mitglied, laut Perlentaucher (Literaturkritikportal)

Die beiden Aussagen zeigen, wie tief die Kluft zwischen offizieller Darstellung und persönlicher Wahrnehmung ist. Während Felix Ensslin zur Versöhnung mahnt, hält Irmgard Möller an der Anklage fest. Diese Uneinigkeit prägt bis heute die RAF-Rezeption.

Weitere Quellen

open.ifz-muenchen.de, woz.ch

Ein detaillierter Bericht über Felix Ensslin und die Todesnacht von Stammheim beleuchtet die bis heute ungeklärten Umstände jener Nacht und die langen Schatten, die das Erbe der RAF auf die nächste Generation wirft.

Häufig gestellte Fragen

Wann wurde Gudrun Ensslin geboren?

Gudrun Ensslin wurde am 15. August 1940 in Bartholomä geboren (Wikipedia (de)).

Wie wurde Gudrun Ensslin gefasst?

Sie wurde am 7. Juni 1972 in einer Boutique in Hamburg festgenommen, nachdem die Polizei eine Wohnung durchsucht hatte (Duitsland Instituut).

Welches Urteil bekam Gudrun Ensslin?

Im Stammheimer Prozess wurde sie 1977 zu lebenslanger Haft wegen Mordes und Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung verurteilt (Duitsland Instituut).

Wo ist Gudrun Ensslin begraben?

Ihre Asche wurde auf dem Friedhof in Bartholomä beigesetzt, dem Geburtsort ihrer Mutter.

Wie viele Kinder hatte Gudrun Ensslin?

Sie hatte zwei Kinder: einen Sohn, Felix Ensslin (geboren 1967), und eine Tochter, die 1968 kurz nach der Geburt starb (Suhrkamp (Verlag)).

Was ist die RAF?

Die Rote Armee Fraktion (RAF) war eine linksextremistische terroristische Vereinigung, die von 1970 bis 1998 in Westdeutschland aktiv war (Wikipedia (de)).

Wer war Andreas Baader?

Andreas Baader war Mitbegründer und führendes Mitglied der RAF sowie Lebensgefährte von Gudrun Ensslin (Wikipedia (de)).

Die Geschichte Gudrun Ensslins und ihres Sohnes zeigt, dass die RAF-Debatte längst nicht abgeschlossen ist. Für die deutsche Gesellschaft bleibt die Aufgabe, die offenen Rechtsfragen der Stammheimer Todesnacht unvoreingenommen zu klären – oder den Mythos um Staatsfolter und Mord weiterhin als Narbe in der Erinnerungskultur zu tragen.